Das ist meine Mama


Das ist meine Mama

Meine Mama wurde am 05.10.1946 in Duisburg geboren. Sie war das einzige Kind meiner Großeltern.

Sie machte eine Ausbildung zur Verkäuferin und arbeitete lange in einem Modekaufhaus.

1974 heiratete sie meinen Vater und 1975 wurde ich geboren. 1979 kam dann meine Schwester zur Welt und 1980 trennten sich meine Eltern.

Meine Vater war selbstständiger Elektromeister und irgendwann muß ihm der Erfolg zu Kopf gestiegen sein. Er wurde größenwahnsinnig und Alkoholiker. Auch er ist mittlerweile verstorben. Nach der Trennung meiner Eltern hatte ich zu meinem Vater keinen Kontakt mehr. Irgendwann 1997 wollten meine Schwester und ich uns dann unser eigenes Bild machen. Oma und Mama hatten nie ein gutes Haar an ihm gelassen. Wir wurden bitter enttäuscht und fanden einen einsamen, verbitterten, verwahrlosten Mann. Ich für meinen Teil hatte keine Bindung, er war ein Fremder.

Meine Mutter machte nach der Trennung eine sehr harte Zeit durch, mein Vater zahlte keinen Unterhalt, zudem wurde er sehr beleidigend und kränkend.

Meine Oma sagte immer, dass mein Vater meine Mutter krank gemacht habe. Er sei Schuld das sie Krebs bekommen hat. Mit 12 Jahren habe ich das noch nicht verstanden. Mittlerweile weiß ich das auch die Seele einen Menschen krank machen kann.

Sie sei eine starke und selbstbewußte Frau gewesen, die immer gekämpft hat und ihr Leben alleine in die Hand genommen hat. Ich unterhalte mich so gerne mit Menschen die sie gekannt haben. Alle erzählen von einer tollen Frau. Das macht mich dann ganz stolz!

Sie war sehr niveauvoll, hat immer sehr viel Wert auf ihr Äußeres gelegt, sie wäre nie ungeschminkt aus dem Haus gegangen.

Sie war sehr sparsam und richtig, richtig stolz wenn sie sich mal wieder etwas leisten konnte.

Sie ging gerne ins Duisburger Stadttheater. Hatte ein ABO und ganz chicke Kleider für diesen Anlaß!

Irgendwann im Sommer 1986 wurde ein Knoten in ihrer Brust entdeckt. Nach einer OP kam die schreckliche Diagnose, BRUSTKREBS!! Ich konnte damit nicht viel anfangen und schon gar nicht die Konsequenzen abschätzen. Mir fiel lediglich sofort eine Situation ein.Unser Pfarrer hatte einmal im Schulgottesdienst die Schüler gefragt ob sie wüßten was die schlimmste Krankheit sei ( damals war Aids noch nicht verbreitet) und jemand antwortete : "Krebs".

Es folgten weitere Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung.

Sie war eine perfekte Schauspielerin, wir erfuhren nie wie es ihr wirklich ging.

Sie fuhr trotzdem mit meiner Schwester, meiner Oma und mir in den Urlaub. Weinen sah ich sie nur einmal. Ich tröstete sie und sagte: " Mama, du brauchst nicht weinen, du hast doch mich!"

Das ich sie bald nicht mehr haben sollte, daran hätte ich im Traum nicht gedacht.

1987 fuhr sie für 4 Wochen zur Kur in den Schwarzwald.

Sie kam gut erholt, angeblich gesund und verliebt zurück.

Sie hatte dort bei einem Kurkonzert einen Mann kennengelernt.

Er war bereits Witwer, hatte 5 Kinder und war Landwirt.

Bald besuchte er uns in Duisburg und wir ihn in Nordrach.

Am 18.09.1987 heirateten die beiden und wir zogen in den Schwarzwald auf einen Bauernhof. Alles schien perfekt.

Im Dezember 1987 klagte meine Mutter häufig über Schwindel und Kopfschmerzen. Der Dorfdoktor diagnostizierte eine Grippe.

Um die Weihnachtszeit (ich weiß nicht mehr ob vor, während oder nach Weihnachten) mußte meine Mama ins Krankenhaus, sie hatte einen Hirntumor.

Doch es war alles zu spät. Operiert werden konnte schon nicht mehr. Sie wurde nach Freiburg verlegt und bekam Bestrahlung. Es ging alles so rasend schnell. Die Haare gingen wieder aus und sie wurde blind. Ich weiß noch wie sie bei einem Besuch am Nachmittag sagte, jemand solle das Licht anmachen.

Zum Sterben wurde sie dann nach Zell am Harmersbach verlegt. Sie hat mich zum Schluß nicht mehr erkannt.

An Sterben habe ich in der Zeit nie gedacht.

In der Nacht am 20.03.1988 schlief sie friedlich ein.

Es war ein Sonntag und wir lagen noch im Bett als mein Stiefvater ins Zimmer kam und sagte: "Mama ist tod".

Von da an habe ich ganz lange keine Erinnerung mehr.

Meine Oma hat dann den ehemaligen Arzt meiner Mama in Dinslaken gefragt, ob meine Mama wirklich so gesund war wie sie immer gesagt hat. Dieser antwortete ihr: "Es war nichts in Ordnung."

Vielleicht wollte sie einfach nochmal glücklich sein und meine Schwester und mich gut versorgt wissen. Und hat deshalb noch mal geheiratet. Meine Oma war ja schon zu alt um sich um uns zu kümmern.

 

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