Die Zeit danach


 

Die Beerdigung und die Zeit danach

 

                          
 
 

 

 

August 2004

An die Zeit ab dem 20.03.1988 habe ich kaum Erinnerung. Ich weiß zwar, dass wir sofort zum Krankenhaus gefahren sind, aber ich weiß nicht mehr ob ich geweint habe, was ich gefühlt, gedacht habe und wer mit im Krankenhaus war.

Auch an die Beerdigung habe ich keine Erinnerung.

Habe ich geweint, ihr Blumen ins Grab geworfen, ihr was liebes gesagt? Alles verschlossen.

Ich hatte keine Emotionen. Lebte einfach weiter. Von einer sehr guten Freundin weiß ich, dass ich mich nach der Beerdigung bei meinen Klassenkameraden für die Anteilnahme bedankt habe. Sie hatte mich dafür sehr bewundert.

Von da an war ich auf mich gestellt. Meine Stiefvater mußte arbeiten. Die beiden älteren Stiefschwestern waren mittlerweile verheiratet und ausgezogen. Da war dann noch eine 10 Jahre ältere Stiefschwester, die ebenfalls arbeiten ging und ein älterer Stiefbruder und ein jüngerer Stiefbruder und meine kleine Schwester.

Meine Schwester kam in eine Pflegefamilie und der Ernst des Lebens begann für mich.

Ich war doch erst 12 Jahre alt und von heute auf morgen kein Kind mehr.

Ich hatte in dieser Zeit 4 sehr gute Freunde die immer zu mir gestanden haben. Die mir Halt gegeben haben.

Wir haben uns regelmäßig gesehen und schöne Dinge miteinander gemacht. Über Mama habe ich mit niemanden gesprochen. Das war alles gut weggeschlossen.

Euch 4 ( Anita, Elfi, Diana und Günter) vielen Dank!!! Auch wenn Ihr nicht in meiner Nähe seit, in meinen Gedanken seit Ihr ganz nah bei mir. 

Irgendwann kam die Pubertät und ich wurde wohl ziemlich unerträglich.  Ich wollte raus, machen was ich will. Und vorallem geliebt werden.

Im Sommer 1990 waren meine Schwester und ich bei meiner Oma in Duisburg zu Besuch und gleichzeitig kam der Rausschmiss meines Stiefvaters. Da meine Oma zu alt war, blieb als Alternative ein Heim in Oberhausen.

Meine Schwester wurde ebenfalls dort untergebracht, nur leider waren wir in getrennten Gruppen.

Schlecht war es dort nicht. Auch dort habe ich noch nicht getrauert. Ich war oft wütend, habe mir gedacht, die anderen Kinder haben alle noch Eltern und ich nicht. Meine Mama sagte immer: "Für nichts auf der Welt würde ich Euch abgeben."

Aber nun war ich im Heim und habe mich damit auch ganz gut arrangiert.

1993 habe ich dann meine erste eigene Wohnung bezogen.

1995 lernte ich meinen Mann kennen und als wir beschlossen 1998 zu heiraten, ging das Ventil ganz langsam auf.

1997 waren wir auf einer Hochzeit eingeladen. Als der Fotograf die Hochzeitsbilder machte und links und rechts die Eltern und Schwiegereltern neben dem Brautpaar standen, fragte ich mich : "Und wer steht nächstes Jahr bei Dir?!"

Von da an wurde mir der Verlust immer mehr bewußt. Ich stürzte ganz oft in tiefes Loch, es tat so weh.

Ich habe nun ganz viel geweint. Ich wußte das ich mich bei meinem Mann fallen lassen kann, er mich auffängt, mir zuhört, mich in den Arm nimmt. (Ich danke Dir so sehr dafür!!)

2000 und 2002 wurden dann unsere Söhne geboren und wieder keine Mama da, die stolz Zuhause auf mich wartet und nun glückliche Oma ist.

 

 

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