Thorstens Gedanken


Thorstens Gedanken

 

Jetzt fragen sich vielleicht einige, wer zum Geier ist Thorsten ? Und was haben seine Gedanken hier zu suchen ?

Thorsten, dass bin ich, der Mann von Uschi. Ich habe meiner Frau den Vorschlag gemacht auch meine Gedanken zu diesem traurigen Thema niederzuschreiben, wovon sie sehr angetan war. Und hier sind sie dann also.

Ich habe meine Frau 1995 kennengelernt. Erst nach und nach bekam ich heraus, wie bewegend und vielschichtig ihre Kindheit war. Der Grund dafür, dass es erst nach und nach deutlich wurde, war zum einen, dass sie wenig über dieses Thema sprach. Zum anderen hatte ich oft den Eindruck, wenn wir darüber sprachen belastete sie es. Sie weinte dann eigentlich immer und ich fühlte mich hilflos (das ist heute auch noch so), und konnte nicht mehr machen als sie zu trösten. Und auch wenn ich weiß, dass ihr das schon genug war, so blieb (und bleibt) dennoch dieses Gefühl der Hilflosigkeit. So vermieden wir es also über die Jahre hinweg meistens über den Tod ihrer Mutter zu sprechen. Ich hatte das Gefühl ihr ginge es besser dadurch. Und außerdem war es mir auch ganz recht....

1996 waren wir erstmals am Grab ihrer Mutter. Ich habe es immer sehr bedauert, dass das Grab im Schwarzwald ist, da meine Frau dadurch nur sehr selten ans Grab gehen kann um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Ein Besuch am Grab ist durch diese große Entfernung jedes mal etwas besonderes. Der für mich erste Grabbesuch bei meiner zukünftigen Schwiegermutter, war merkwürdig. Meine Frau weinte, und ich wußte nicht so recht was ich empfinden sollte. Es war so abstrakt für mich. Ich kannte diese Frau doch gar nicht. Ich fühlte mich irgendwie verpflichtet mit zu trauern, und schämte mich dafür, dass ich dazu nicht richtig in der Lage war.

Die Jahre vergingen und wir besuchten eigentlich mind. einmal im Jahr das Grab ihrer Mutter. Ansonsten war es aber kein Thema.

Doch im Alltag gab es immer wieder kleine und große Situationen, in denen mir bewußt wurde wie sehr dieses Thema doch noch vorhanden ist.

Wenn ich beim Abtrocknen des Geschirrs ein Glas versehentlich fallen ließ (was ja in einigen Jahren auch schonmal häufiger passieren kann), weinte meine Frau und mir war klar, dass ich ein Glas ihrer Mutter zerstört hatte, und damit auch einen Teil ihrer Erinnerungen und ihrer Verbundenheit zu ihr. Das ist, glaube ich, in den ganzen Jahren unserer Beziehung erst zweimal passiert, aber beim zweiten mal, hätte ich mich selber Ohrfeigen können. Es ging soweit, dass ich mich teilweise weigerte, dass Geschirr ihrer Mutter abzuwaschen.

Die Möbel in unserer Wohnung sind Eiche Rustikal Möbel. Nun war das zum damaligen Zeitpunkt nicht unbedingt mein Geschmack, auch wenn es Qualitativ hochwertige Möbel sind. Wir einigten uns darauf diese zu verkaufen und uns modernere Möbel zu holen. Meine Frau setzte ein Inserat in die Zeitung, in dem sie unsere Eckbankgarnitur zu einem Preis von 2500 DM anbot. Die Eckbank war zwar hochwertig, und der Neupreis lag bei 5000 DM, aber wer bitte schön gibt 2500 DM für eine gebrauchte Eckbankgarnitur ? Mein Vater hat es dann ganz treffend formuliert. Er sagte : "Willst du Erinnerungen verkaufen oder einen Wertgegenstand ? Erinnerungen kann dir kein Mensch bezahlen." Mittlerweile haben wir uns von der Eckbank getrennt, aber alle anderen Möbel behalten. Sie gefallen mir jetzt. Ehrlich....;o)

Es gab in all den Jahren nur eine Situation die mir Angst machteWir hatten damals zwei Katzen. Einer von den beiden, er hieß Gismo, war sehr lebhaft. Mehrmals täglich rannte Gismo kreuz und quer durch unsere Wohnung. Und dabei ging dann manchmal auch etwas zu Bruch. In unserem Schlafzimmer hatten wir ein altes Springrollo. Und wenn ich ALT sage dann meine ich auch ALT. Dieses Springrollo war schon an vielen Stellen eingerissen, es war vergilbt, und die grüne Farbe war auch nicht wirklich ansprechend. Gismo machte aus diesem Springrollo während einer seiner Rennattacken Geschichte. Meine Frau suchte den Kater in der ganzen Wohnung, der sich in der hinterletzten Ecke versteckte (Ich weiß bis heute nicht wo er war). So aufgebracht hatte ich sie noch nie erlebt und ich hatte ernsthafte Sorge um Gismo. Weinend stand sie mit dem abgewetzten Springrollo in der Hand vor mir und sagte : "Das war doch von meiner Mama". Ich war mit dieser Situation hoffnungslos überfordert. Mir wurde mit einer unglaublichen Wucht bewußt, wie stark dieses Thema doch immer noch unseren Alltag bestimmt und auch in Zukunft bestimmen wird. Außerdem machte ich mir auch Sorgen vor dem Hintergrund, dass wir eines Tages Kinder haben wollten. Auch Kinder machen mal was kaputt....

Am 04.09.2000 kam unser erster Sohn Lukas zur Welt. Schnell habe ich erkannt, dass alle meine Sorgen unbegründet waren. Ich könnte und kann mir bis heute keine bessere Mutter für unsere Kinder vorstellen.

2002 (oder war es 2003?) waren wir das letzte mal am Grab. Zum ersten mal war auch ihr Enkelkind Lukas dabei. Es war das erste mal, dass ich echte trauer empfinden konnte. Ich stand an diesem Grab und dachte mir so vieles. Ich dachte wie schade es doch ist, dass ich sie nicht mehr kennenlernen durfte. Wie sehr ich mir wünsche, dass sie all das was passiert noch sieht, damit sie weiß wie stolz sie auf ihre Töchter sein kann.

Obwohl ich sie nicht gekannt habe, weiß ich heute, dass sie eine wundervolle und liebevolle Mutter gewesen sein muss. Wäre dies nicht der Fall, wären ihre beiden Töchter nicht so, wie sie heute sind. Sie hat die Pubertät ihrer Kinder nicht mehr miterleben dürfen, aber sie hat es geschafft ihre Kinder in der Zeit die ihr noch blieb, so stark zu machen, dass sie heute ihr Leben meistern. Und das ist keineswegs selbstverständlich.

Abschließend möchte ich noch sagen, wie stolz ich auf meine Frau bin. Es ist keineswegs so, dass nur ich ihr Halt gebe. Das ist ein geben und empfangen in unserer Beziehung. Ich bin so unglaublich glücklich, dass unsere kleine Familie so gut "funktioniert". Im Alltag weiß ich dieses Glück leider manchmal nicht genügend zu schätzen. Ich bin stolz auf meine Frau und liebe sie, weil sie unseren Kindern eine so geduldige Mutter ist (Du bist geduldig mit unseren Kindern, auch wenn du denkst, dass du es nicht bist!), weil sie mir den Rücken freihält, wenn ich das brauche, weil sie nicht müde wird mir zu sagen das sie mich liebt und das von mir doch nur so selten hört, weil sie stets darauf bedacht ist unsere Beziehung zu pflegen und nicht "nur" Mutter zu sein, weil sie stark sein kann, wenn sie es sein muss, und schwach, wenn sie es sein möchte.

Es ist so wunderschön einen Menschen gefunden zu haben, mit dem man alt werden möchte......      

 

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